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Tagesausgabe

Über Bargeld und unsere Gewohnheiten beim Einkaufen

Eine Edeka-Filiale sorgt mit einem Hinweis zu Bargeld für Diskussionen. Ist unser Umgang mit Geld wirklich so problematisch?

27. Juni 2026
2 Min. Lesezeit

Neulich stand ich vor einem Edeka-Supermarkt und las das Schild, das an der Eingangstür prangte. „Bitte bezahlen Sie in Bar, wir akzeptieren keine EC- oder Kreditkarten“, lautete die Botschaft. Ich kann nicht behaupten, dass mir das vor dem Einkauf das Herz höher schlagen ließ. Ich erinnere mich an eine Zeit, als Bargeld als das einzig Wahre galt, als Münzen und Scheine die Königsklasse der Bezahlmethoden waren. Doch heute, in Zeiten von kontaktlosem Bezahlen und Apps, wirkt dieses Schild fast schon wie ein Relikt aus vergangenen Tagen.

Die Reaktionen auf das Schild ließen nicht lange auf sich warten. Während die einen die Rückkehr zum Bargeld als nostalgisch und charmant bezeichneten, warfen andere die Frage auf, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind. „Ist das nicht schlecht?“, hörte ich einen älteren Herr murmeln, während er seine Einkäufe in der Hand hielt. Es ist amüsant, wie stark die Werte einer Gesellschaft an den Zahlungsmethoden hängen. Bargeldverweigerung könnte gleichbedeutend sein mit einem Rückschritt in alte, eher „unzivilisierte“ Zeiten, während Kartenzahlung als Ausdruck von Bequemlichkeit und Fortschritt verstanden wird.

Natürlich ist es leicht, sich über die Vorzüge der modernen Zahlungsmethoden zu ergötzen. Man muss nicht mehr nach Münzen kramen, nicht mehr lange in der Schlange warten, während das Geldstück mit dem Bildnis von Goethe stumm und geduldig in der Hand hielt. Aber die Frage ist, was wir dabei verlieren. Ein kurzer Blick auf das Edeka-Schild ließ mich lauthals lachen, als ich darüber nachdachte, wie wir uns von der physischen Vorstellung von Geld entfernt haben. Der Weg zum Geldautomaten mutet fast wie eine kleine Pilgerreise an, ein Ritual, das ich im digitalen Zeitalter als unnötig empfinden sollte. Und doch ist es genau das – ein Ritual.

Das Bargeld ist ein Symbol für Freiheit, ja sogar für Kontrolle. Man weiß, wo das Geld herkommt und wo es hingeht. Wenn ich mir vorstelle, wie ich im Supermarkt an der Kasse stehe und mit einem Haufen Scheine bezahle, fühle ich mich merkwürdig befriedigt. Es ist eine Art der greifbaren Verbindung, die in der digitalen Welt oft verloren geht. Stattdessen übergeben wir willentlich die Kontrolle an ein Bankkonto, dessen Zahlen wir nur als flüchtige Bytes wahrnehmen.

Als ich schließlich den Supermarkt betrat und unbewusst eine Bankkarte zückte, wurde mir schmerzlich bewusst, dass das Edeka-Schild mehr war als nur eine Anweisung; es war ein Spiegelbild unserer sich wandelnden Gewohnheiten und Werte. Während ich mit meinem Einkauf im Wagen stehe, fest entschlossen, beim nächsten Mal bar zu bezahlen, frage ich mich: Wie lange wird es dauern, bis auch dafür ein Hinweis an der Tür des Supermarktes angebracht wird? Wir sind gefangen in einem immer schneller werdenden Kreislauf, in dem Bargeld nicht nur als Zahlungsmittel, sondern auch als sinnstiftendes Ritual verloren geht. Vielleicht sollten wir gelegentlich innehalten und die Münzen, die uns noch im Portemonnaie bleiben, wieder wertschätzen.